Tierärzte-Info

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Chronischer Durchfall - Ideen zu Diagnostik und Therapie

Wie bei jeder diagnostischen Aufarbeitung eines Falles empfiehlt es sich auch bei chronischem Durchfall des Hundes gezielt vorzugehen. Dies bedeutet in der Praxis, nach Vorbericht und Anamnese, in Abhängigkeit von den Wahrscheinlichkeiten, Proben zu entnehmen und weitere diagnostische Maßnahmen zu ergreifen. Wenn wir einen solchen Fall aufarbeiten, dann zählen wir zu den aufzuarbeitenden Differentialdiagnosen:

Gastro-intestinale Ursachen, wie
·         Futter- oder Antibiotika- responsive Diarrhoe
·         IBD
·         Parasitenbefall
·         gegebenenfalls bakterielle Infektionen

Davon abgegrenzt werden extra-intestinale Ursachen, wie
·         Lebererkrankungen
·         Pankreaserkrankungen
·         systemische Erkrankungen

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Als erste diagnostische Maßnahme führen wir eine parasitologische und bakterielle Kotuntersuchung durch. Nach Untersuchungen von Barutzki und anderen ist der Befall mit Magen-Darm-Würmern bei Hunden höher als allgemein angenommen (Toxocara canis bis 20%). Dementsprechend sollte diese Ätiologie nicht übersehen werden. Wir empfehlen nach wie vor die Flotation/Sedimentation als Untersuchungsmethode. PCR- Untersuchungen sind durchaus sensitiver, allerdings gehen wir davon aus, dass im Allgemeinen ein Durchfall verursachender Parasitenbefall mit den herkömmlichen Methoden detektiert werden kann. Den Nachweis von Giardien führen wir mittels eines Schnelltests durch. Einige Schnelltests haben eine Sensitivität von ca. 80% und eine Spezifität von ca. 90%. Darüber hinaus wäre auch hier die PCR möglich.

Die bakteriologische Kotuntersuchung wird derzeit kritisch diskutiert. Aus unserer Sicht ist es nach wie vor wichtig zu wissen, ob entweder pathogene Keime vorliegen oder aber das Microbiom durch den Durchfall verschoben ist.

Sind Parasitenbefall und pathogene Erreger nicht nachweisbar, schließen sich Untersuchungen an, die Futter (FRD)- oder Antibiotika (ARD) responsive Diarrhoen nachweisen. Die FRD, welche nach einigen Studien in ca. 50% der Fälle von chronischem Durchfall des Hundes die Ursache ist, wird mittels einer wenigstens 2-3 Wochen anhaltenden Eliminationsdiät nachgewiesen.

Zum Nachweis der ARD, die früher auch „small intestinal bacterial overgrowth“ genannt wurde, kann das Verhältnis von Folsäure und Cobalamin untersucht werden. Im Optimalfall ist Folsäure erhöht, da sie von Bakterien gebildet wird und Cobalamin reduziert, da hier ein Verbrauch durch die intestinale bakterielle Darmflora stattfindet. Beim Cobalamin kommt noch hinzu, dass es bei chronischem Durchfall auch zur Therapie gehört. Die Substitution verhindert Mukosaentzündung, Villusatrophie und Malabsorption. Die Therapie der ARD besteht derzeit in der Gabe von Antibiotika (Tylosin, Metronidazol oder Oxytetracyclin) über mindestens 2 Wochen. Die Kottransplantation ist eine Technik, die derzeit eine gewisse Aufmerksamkeit genießt und eventuell in der Zukunft Teil der Therapie chronischer Durchfälle, bedingt durch Imbalanzen im Microbiom, wird. 

Schließlich bleibt die IBD als eine weitere Darmerkrankung mit chronischem Durchfall. Diagnostisch ist derzeit die Biopsieentnahme die Technik der Wahl. Bezüglich der Art der Probennahme gibt es unterschiedliche Meinungen. Die „Full Thickness“ Biopsie, mit allen Darmschichten, hat den Vorteil, dass auch Veränderungen in der tiefen Submucosa oder Muscularis erkannt werden können, was bei einer Endoskopie entnommenen Biopsie nicht möglich ist. Leider sind sich die Pathologen bei der Bewertung nicht immer sicher. Insbesondere beim intestinalen Lymphom fällt die Differenzierung zur IBD mitunter schwer.

Neben Infektionen und Darm-assoziierten Erkrankungen spielen auch extra-intestinale Erkrankungen als Ursache für chronischen Durchfall eine Rolle. Lebererkrankungen können Durchfall verursachen und sind über eine Blut- und Ultraschalluntersuchung näher zu verifizieren. Eine Leberbiopsie ist allerdings auch hier die letztendlich zur Diagnose führende Methode. Als „Leberwerte“ werden zunächst die Enzyme ALT, AST und GLDH untersucht. Sie geben Hinweise auf die Integrität der Leberzellen. Funktionsparameter der Leber sind die Gallensäuren, Albumin und Harnstoff. Letztere sind  allerdings erst verändert, erniedrigt, wenn die Leberfunktion erheblich gestört ist. Im Ultraschall lassen sich parenchymatöse, vaskuläre und biliäre Veränderungen darstellen. Abgesehen von Shunterkrankungen ist auch hier in der Regel erst nach einer Biopsieentnahme eine finale Diagnose möglich. Eine Therapie bei Lebererkrankungen gestaltet sich häufig schwierig, dahingehend, dass es keine spezifische Therapie gibt. Neben entzündungshemmenden Präparaten (Cortision) bei chronischen Hepatitiden sind häufig unterstützende Therapien im Einsatz wie Ursochol oder Silimarin. Das Pankreas ist natürlich auch eine mögliche Kausalität für einen chronischen Durchfall, dies wird aber in einem zweiten Vortrag ausführlich besprochen.

Bleiben noch systemische Erkrankungen. Hier steht aus unserer Sicht der M. Addison im Vordergrund. Neben chronischem Durchfall findet man, insbesondere in der Akutphase, deutliche Störungen des Kreislaufs mit Schocksymptomatik. Damit zusammen hängt ein prärenales Nierenversagen, ein Schockherz und Elektrolytveränderungen im Sinne eines Na/K Verhältnis von <27/1. Die finale Diagnose wird über einen ACTH-Stimulationstest gestellt. Allerdings zeigen neuere Untersuchungen, dass auch der Basalcortisolwert ausreichend ist, um den M. Addison in den meisten Fällen zu diagnostizieren. Die Behandlung des M. Addison zielt auf Substitution von Mineralo- und Glukocorticoiden ab.

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